M+E-Tarifabschluss 2021 – ein Schritt in die Zukunft

Der Tarifabschluss 2021 für die baden-württembergische Metall- und Elektroindustrie (M+E) ist unter Dach und Fach. Und dies trotz schwierigster Rahmenbedingungen, trotz scheinbar völlig unvereinbarer Ausgangspositionen der Gewerkschaft und der Arbeitgeber. Doch die Tarifpartner haben erneut bewiesen, dass sie auch in der Krise handlungs- und gestaltungsfähig sind. Das gemeinsame Ziel, in dieser herausfordernden Zeit Beschäftigung zu sichern, war letztlich die Brücke, über die der Weg zur Einigung geführt hat.

Der Abschluss berücksichtigt die Erwartungen und Ziele beider Seiten gleichermaßen. Die Beschäftigten erhalten mehr Geld. Damit werden die Einkommen und die Reallöhne abgesichert, die in den letzten Jahren kräftig gestiegen sind. Gleichzeitig löst er die Forderung der Arbeitgeber ein, die Kosten unter Kontrolle zu halten. Betriebe, die noch massiv mit den Folgen der Pandemie kämpfen und weiterhin weit vom Vorkrisenniveau entfernt sind, werden nicht mit zusätzlichen Kosten belastet.

Das Tarifergebnis wird aber nicht nur der aktuellen wirtschaftlichen Situation gerecht. Es geht auch ganz besonders auf die baden-württembergischen Gegebenheiten und die tariflich andere Ausgangsposition im Südwesten ein. Es bietet optionale Bausteine, mit denen Betriebe in der Transformation die Zukunft erfolgreich gestalten können. Für die Beschäftigten sind diese Bausteine eine Chance auf mehr (Job-)Sicherheit. Für die Betriebe bedeuten sie Planungssicherheit – zum Teil über Jahre hinweg.

Das Verhandlungsergebnis ist auch ein wichtiger Schritt im Bemühen, die Tarifverträge zu modernisieren, sie einfacher und für die Betriebe besser handhabbar zu machen. Es schafft zudem mehr Flexibilität bei Arbeitszeit und Kosten. Damit trägt der Abschluss dazu bei, die Attraktivität von Tarifverträgen zu erhöhen und so die Tarifbindung zu stabilisieren.

Die Ergebnisse im Einzelnen:

  • Laufzeit: 21 Monate (1. Januar 2021 – 30. September 2022)
  • Bis Juni 2021: Corona-Beihilfe in Höhe von 500 Euro (Auszubildende: 300 Euro)
  • Februar 2022: Einführung einer neuen jährlichen Sonderzahlung („Trafobaustein“) in Höhe von 18,4 Prozent eines Monatsentgelts (ab Februar 2023 jährlich 27,6 Prozent)
  • 2021: Automatische Differenzierung (Streichung) des tariflichen Zusatzbetrags (398,50 Euro) bei niedriger Rendite
  • Betriebliche Option, das Weihnachtsgeld zu variabilisieren
  • Tarifliche Regelungen für Dual Studierende
  • Flächentariflicher Rahmen für optionale betriebliche „Zukunftstarifverträge“ zur Gestaltung der Transformation
  • Tarifliche Option einer Arbeitszeitabsenkung mit Teillohnausgleich für längere Zeiträume
  • Vereinfachung der tariflichen Arbeitszeitregelungen
  • Kostenentlastung der Betriebe z.B. durch Korrekturen beim Leistungsentgelt
  • Überarbeitung und Vereinfachung von Tarifverträgen

Zeitliche Staffelung der Entgeltentwicklung

Geld und Differenzierung: Vertrauensvorschuss auf die zukünftige Entwicklung

Erst die Rezession 2019, dann die Auswirkungen der Corona-Pandemie 2020 haben der M+E-Industrie in Deutschland und in Baden-Württemberg einen historischen Einbruch beschert. Die Produktion lag im vergangenen Jahr fast ein Fünftel unter dem Niveau von 2018. Mittlerweile geht es wieder aufwärts. Einige Firmen haben die Krise schon weitgehend hinter sich gelassen. Mit einer vollständigen Rückkehr zum Vorkrisenniveau für die gesamte Branche wird aber frühestens 2022 gerechnet.

Dennoch gibt es in diesem und im nächsten Jahr mehr Geld für die Beschäftigten – auch ein Vertrauensvorschuss darauf, dass der aktuelle Aufwärtstrend anhält und es keine erneuten Rückschläge gibt.

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Wettbewerbsfähigkeit: Intelligente Lösungen können zu Entlastungen führen

Nirgendwo in Deutschland sind die tariflichen Leistungen in der M+E-Industrie so weitreichend und umfangreich wie in Baden-Württemberg. Die Arbeitgeber hatten daher in dieser Tarifrunde angemahnt, die tariflichen Sonderleistungen in Baden-Württemberg im Hinblick auf die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit zu überprüfen - auch wenn klar war, dass die Gewerkschaft Errungenschaften der Vergangenheit verteidigen und es kaum zulassen würde, dass den Beschäftigten substanziell etwas weggenommen wird. Am Ende stehen nun einige intelligente Lösungen, die kurz-, mittel- oder langfristig zu Entlastungen der Firmen führen können.

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Bausteine für die Zukunft: Transformation und Klimaschutz

Die M+E-Industrie steht in weiten Teilen vor einem historischen Umbruch. Ob Digitalisierung oder Klimaneutralität mit Mobilitätswende: Die aktuelle Transformation läutet ein neues Industriezeitalter ein, die viele Unternehmen zu umfangreichen Anpassungen zwingt. Auch für diese Herausforderungen bietet der Tarifabschluss 2021 optionale Bausteine und praktikable Lösungen an.

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Attraktive Tarifverträge stärken die Tarifbindung

Einfachere Tarifverträge, die für die Betriebe mit weniger Aufwand umzusetzen sind: So lautete eine der Zielsetzungen der Arbeitgeber in dieser Tarifrunde. Denn dies kann einen Beitrag dazu leisten, die Tarifverträge attraktiver zu machen und die Tarifbindung damit zu stärken. Auch dies ist mit dem Tarifabschluss gelungen.

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